Meine Zeugenaussage zu einer kürzlich beobachteten Fahrerflucht eines älteren Mannes auf dem Parkplatz des örtlichen Edekas.
Hat so leider nicht den Weg auf den vorliegenden Aussagebogen gefunden. Meine Erfahrungen mit den Vertretern der deutschen Ordnungshüterschaft in den und um die Fußballstadien dieses Landes ließ mich dann doch an der Humorbereitschaft der Vertreter unserer Exekutive zweifeln.

Schade eigentlich.

„Ein lauer Frühlingstag. Ein schöner Tag. Genau diese Art von Tag, an welchem sich die Dinge, welche man lieber unternähme als lästigen Haushaltspflichten nachzugehen, längst nicht mehr an beiden Händen abzählen ließe. Nichtsdestotrotz fand ich mich in Begleitung meiner Angebeteten im örtlichen Supermarkt wieder, um einige letzte Besorgungen zu ihrer anstehenden Geburtstagsfeier zu erledigen.
Bei Verlassen des Marktes und einem kurzen Blick auf meine Armbanduhr wurde mir angesichts der noch bevorstehenden Aufgaben erneut bewusst, wie übermüdet ich des folgenden Tages wohl wieder sein würde. Ich bin häufig übermüdet. Nun ja. Zeit also, die Einkäufe in den Kofferraum des weißen Seat Ibiza FR zu laden. Wünschte mir auch einen, dann könnte ich morgendliches Verschlafen durch brauchbare Beschleunigung auf dem Weg zur Arbeit kompensieren.

Nun ja, ich schweife ab.

Die Tiefkühlpizza in der einen Hand, den Einkaufswagen mit der anderen vor Wegrollen gesichert plötzlich der Schock.
Die Schrecksekunde.
Ein widerliches Geräusch, gleich dem Knirschen von Zähnen auf Kieselsteinen, nur zehnfach in seiner Lautstärke potenziert.

Zu unserer Linken parkt doch tatsächlich so ein geistig etwas durch den Zahn der Zeit benachteiligter Hutträger aus. Durch die Stoßstange eines anderen Autos. Gepeinigt vom Schock und mich in Lebensgefahr wähnend beobachte ich in Zeitlupe, wie dieser Verbrecher in seiner irren Ignoranz den 1. Gang einlegt und seinem Nachbarauto eine zweite Abreibung verpasst. Ich spüre nackte Panik, möchte irgendwie reagieren und bin doch vollkommen gelähmt. Ich fühle, wie mich eine unnatürliche Kälte überkommt, stelle jedoch wenig beruhigt fest, dass es sich hierbei nur um die Tiefkühlpizza in meinen Händen handelt. Dieser Wahnsinnige hinter dem Steuer setzt zu seinem nächsten Manöver an, welches tatsächlich noch das bis hierhin Geschehene an Grausamkein überbietet. Er flieht! Ich blinzele mehrere Male kurz, um mich zu überzeugen, dass ich mich nicht in einem schrecklichen Albtraum befinde. Nein, kein Traum. Dieser Unmensch, ein moderner Söldner, der einen mit zerstörten Existenzen gepflasterten Weg zurücklässt, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich kann es nicht fassen, blicke meine Freundin an. Ihr Blick drückt meine Gedanken aus: Welch ein Ungeheuer ist zu solch einer Greueltat fähig?

Auf einmal läuft alles sehr schnell, ich greife nach meinem Handy, schnell, Kennzeichen notieren, schnell, diese Bestie muss aufgehalten werden, SCHNELL, bevor es für uns alle zu spät ist!

Das Nummernschild notiert, wird diesem Treiben hoffentlich bald ein Ende gesetzt sein. Unzähligen hilflosen Opfern wird Gerechtigkeit geschehen. Die Straßen werden wieder ein sicherer Ort sein, ein Ort, an dem unsere Kinder sorgenfrei mit Murmeln spielen können, ein Ort, an dem selige Rentnerehepaare ihre letzten Tage gemeinsamen Spaziergängen widmen. Ein paradiesischer Ort.

Ich hänge meinen Gedanken noch wenige Sekunden nach. Oh du seniler, alter Zirkusaffe, wie könnten wir ohne dich schon längst wieder zu Hause sein! Danke dafür, wollte ich doch ohnehin viel lieber noch ein wenig die angenehm warme Frühlingsluft genießen. Das hast du scheinbar instinktiv geahnt und mir den Ausweg aus der Misere haushaltlicher Pflichten gewiesen.
Danke.“

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