raus.

ich war einmal ein guter, leichtlebiger und gefühlsbetoner junge, das war ich wahrhaftig. ein junger mann, der in der welt nicht einfach nur einen kalten planeten oder einfachen lebensort gesehen hat. die welt war für mich ein hort riesiger träume, unbegrenzter möglichkeiten und einer unendlichen zukunft. nach meinem abitur habe ich die welt genau so gesehen. das gefühl grenzenloser freiheit und die wahl zwischen endlos vielen wegen, welche es zu beschreiten gäbe, waren meine triebkraft.

niemals hätte ich auch nur im entferntesten daran gedacht, aufzugeben.
niemals gedacht, an einen punkt zu kommen, welcher so tief ist und so finster erscheint, dass man nicht einfach umkehren könne.
niemals gedacht, dass die hoffnungslosigkeit so lähmend sein könne, dass eine umkehr völlig sinnlos, sogar undenkbar erscheint.

ein jeder geht mit barrieren in seinem leben anders um. dem einen sind sie willkommene hürden, dem anderen unüberwindbare hindernisse, dem dritten sind sie zunächst ersteres, mit zunehmender erfahrung dann letztendlich doch zweiteres. ich zähle mich zu der letzten gruppe menschen.

in der kindheit war mir keine hürde zu hoch, als dass ich nicht hätte wissen wollen, was sich hinter ihr befindet. dies blieb auch von der jugend bis ins frühe erwachsenenalter so. doch je öfter der blick hinter die mauer nichts neues offenbart, je öfter die anstrengung nicht zumindest durch einen kleinen lichtschimmer belohnt wird, desto mehr stirbt die begierde nach entdeckung und desto mehr wächst das geschwür der vorprogrammierten enttäuschung. ich wollte immer menschen mit mir nehmen, mit auf meinen weg, an meiner seite… doch endete nur mit sich immer weiter hinter mir entfernenden weggefährten und mit schmarotzern, welche lediglich auf der kleinen gemeinsamen strecke ihres eigenen weges den fahrtwind ausnutzen wollten.

das schicksal gab mir einst ein breit gefächertes blatt von karten in die hand, ein blatt, an dessen trümpfe sich die einen bedienten, während die anderen voll verachtung ihr eigenes spiel spielen wollten. und das schicksal weigerte sich, mir weitere karten zu geben, meine hand wieder zu füllen.

heute blicke ich wieder einmal auf diese welt.

diese welt als eine ansammlung von trotz und egoismus.
diese welt als einen ort, an dem gewalt und hass mächtiger denn worte und liebe sind.
diese welt als einen schauplatz von zerstörung und untergang, in dem nicht die liebe zum frieden oder die bande der freundschaft, sondern bedruckte baumwollfasern die mächtigsten aller triebfedern sind.

heute habe ich keine trümpfe mehr.
heute habe ich keine karten mehr.
heute habe ich mein blatt in die flammen geworfen.
heute habe ich nach langer zeit den traum von einem spaßigem spiel verloren…

und heute bin ich raus.

— verfasst im September 2014

2 Gedanken zu “Ich und die Dunkelheit

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